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Feuerturm

Im süd-westlichen Teil Veszpréms steht der einzige Turm der Burg, der 48 Meter hohe sogenannte Feuerturm. Der aus Bruchstein gebauter, zylindrischer Teil des Turmes stammt vermutlich aus dem Mittelalter, seine genaue Bauzeit ist uns jedoch nicht bekannt. Das Fundament des Turmes ruht auf der Ebene des Platzes vor dem Burg-Berg, sein Eingang liegt aber mehrere Meter über dem Fundament und ist über das Innere der Burg zugänglich. Die Grundskizze des Turms ist am frühesten auf den Zeichnungen des kaiserlichen Militäringenieurs Giulio Turco zu sehen, diese wurde gegen 1570 gezeichnet. Der Turm ist in den aus dem 17 Jahrhundert stammenden Darstellungen über die Burg immer als kleiner, dicker Turm zu sehen. Gegen 1660 wurde neben dem Feuerturm auch die wichtige südwestliche Eck-Bastei erbaut. Das früheste Schaubild, auf dem der Turm in seiner heutigen Form dargestellt ist, ist der Kupferstich von Friedrich Bernhardt Werner, gegen 1730.

Das Erdbeben in Mór im Jahr 1810 hat auch den Turm beschädigt. Der Stadtrat beantragte beim Bischof die notwendige Genehmigung, um den Turm abzureißen und aus dessen Baumaterial das geplante Spritzerhaus (zwischen 1818-1885 Rathaus, seit 1885 Sitz der Industriezunft) der Stadt aufzubauen. Der Adel von Veszprém stimmte dem Ein-Drittel-Angebot für den Bau des Spritzerhauses aber nur unter der Bedingung zu, dass der Turm erhalten werden muss. Deshalb blieb der Turm erhalten, wurde renoviert und erhielt sogar - nach den Plänen des für das Spritzerhaus zuständigen Architekten, Henrik Tumler - zwischen 1811-1814 eine spät-Barocke Erhöhung und seinen Turmbalkon, den „Tag und Nacht wachenden“ gewidmet.

Über den Bau informiert uns der Stadtschreiber János Csirke, in seinem am 27. Oktober 1814 geschriebenen Dokument wie folgt:
„ Dieser seit mehreren Jahrhunderten stehende und einfach Wach=Turm genannter Turm wurde von dort an, wo er aufhört rund zu sein und anfängt eckig zu werden, als Schmuck der Stadt, zu zwei Drittel von dem Stadtadel und zu einem Drittel von dem Adel und aus weiteren Spenden der Stadtbewohner finanziert, in seinen momentanen, strahlenden, pompösen Zustand gebracht - dies im Jahr Achtzehnhundertvierzehn.“

Auch die Meister, die an den Bauarbeiten teilnahmen sind uns bekannt, und zwar: „Steinmetzer Meister Sebestyén Szapkovics mit seinem Vorarbeiter János Vízler; Schreiner Meister Jóseff Fogt mit seinem Vorarbeiter Károly Tillinder; Schlossermeister Jordán Bernát, der mit seinen Fachkenntnissen und seiner Erfahrung bei der Fertigstellung des Wappens und der Krone des Landes ein wahres Meisterwerk vollbrachte. Zeichner Károly Foichtinger, der die Bilder zeichnete und vergoldete; Eisenbearbeit Meister Ignácz Krénicz, der auch den ganzen Turm abdecken wird; Meister János Teller, der die Turmkugel prunkvoll vergoldete – alle sind sie Bürger und Bewohner der Stadt Veszprém.“

Von hier an hat der Feuerturm also auch einen ständigen Feuerwacher, und wird deshalb als Feuerturm oder Wachturm erwähnt. Unter dem Turm steht das unter der Leitung des Baumeisters Sebestyén Strapkovics gebaute Rathaus. Es wird Spritzerhaus genannt, was darauf deutet, dass unter den beiden (heute jedoch zugemauerten) Arkadeneingängen des Gebäudes je ein (mit Pferd gezogener) Spritzer- d.h. Feuerlöscher-Wagen zum Einsatz bereit stand. Die Gedenktafel, die hoch am Turm angebracht ist, erinnert an den Abschluss der von Tumler geleiteten Bauarbeiten: „DEUS EST FORTITUDO. RENOVATA 1817” (Gott ist die Stärke. Renoviert 1817.) Den damaligen Zustand des Turmes zeigt die Federzeichnung mit Lasur von János Berken, geboren in Nemesvámos, aus dem Jahr 1817-1818: „Der Wachturm beim neuen Rathaus“.

Das nächste Mal wurde der Turm 1891 renoviert. Die Einzelheiten dieser Arbeit sind im „Memorandum“ von Lajos Vikár, geschrieben am 22. Oktober 1891, platziert in der Turmkugel, festgehalten. An den Arbeiten nahmen folgende Meister und Arbeiter teil: Schreinermeister Antal Kéz und Ferenc Kéz Gehilfe, Maurer Mihály Tóth, Ignác Paksi, János Takács, Kupferschmied Meister Mihály Szilágyi, Vergolder Lajos Mező, Uhrmacher István Mendelényi, Techniker Antal Kohl (Reinigung der Turmkugel), Eisenarbeiter Antal Eotli aus Budapest (Bau der Eisen-Schneckentreppe). Der Rechtsanwalt und Brandmeister Dr. Óvári Ferenc verband den Feuerturm auf eigene Kosten mit der Telefonzentrale „um das Feuer schnellstmöglich melden zu können“. Die im Turm wachenden, von der Stadt bezahlten Feuerwehrleute waren Károly Szép, Antal Kungli, Antal Beiczer und Sándor Kis. Im Turm funktionierte zur Zeit des 2. Weltkriegs eine Luftangriffswache.

Der von weitem sichtbare Turm war schon immer dazu geeignet, um das Symbol der aktuell herrschenden Macht zu tragen. Aus dem Tagebuch des Barbiergehilfen Károly Francsics erfahren wir, dass die am 18. Januar 1849 in die Stadt einziehenden kaiserlichen Truppen sofort die schwarz-gelbe Flagge setzten. Am 27. August 1849 wurde dann wieder eine schwarz-gelbe Flagge neben der ungarischen Nationalflagge gesetzt. Dies wiederholte sich während des 20. Jahrhunderts mehrmals. Am 25. Oktober 1956, zur Zeit der ungarischen Revolution, entfernte der Schreinermeister László Nagy mit Hilfe von Lajos Hugler den 1945 noch selbst dort angebrachten Roten Stern. „Für Geld haben wir ihn montiert, aber wir nehmen ihn kostenlos ab“. Nach der Revolution kam der Rote Stern wieder zurück und blieb bis zu den Renovierungsarbeiten im Jahr 1984 auch dort. 1984 bestand der Bedarf das Wappen, das einst am Turm angebracht war, wieder dorthin zu platzieren, aber die aktuelle Leitung genehmigte dies nicht. Der in diesem Jahr ausgetauschte, neue Rote Stern konnte erst im Jahr 1990 mit dem ursprünglich angebrachten, erneuerten Nationalwappen ausgetauscht werden.

Die letzte größere Renovierung des Turmes fand 1984 statt. Mit den Bauarbeiten wurden dann auch gleich archäologische Ausgrabungen verknüpft. Ziel letzterer war es herauszustellen, wie tief die Turmmauern fundamentiert worden waren. Außen gab es aber neben dem dicht umbauten Turm nirgendwo Platz, um diese Forschungsarbeit durchführen zu können. Deshalb versuchte man, durch das Innere des Turmes bis zum Fundament durchzudringen. Von der Eingangsschwelle gemessen wurde eine 7 Meter dicke, aus dem 17.-20. Jahrhundert stammende Funde enthaltende Füllschicht aus dem Turmkörper entfern. Dann folgte die in Mörtel gegebene Steinschicht. Der Baustatiker riet vom Wegtragen dieser genannten Schicht aber ab. Deshalb gelang es auch nicht, die Tiefe des Fundaments festzustellen.

Heute ertönt im Feuerturm von Veszprém in jeder Stunde eine vom Verbunkos Antal Csermák geschriebene Melodie. Von der Terrasse des Turmes bietet sich ein imposanter Ausblick auf die Stadteile Veszpréms.

Feuerturm
8200 Veszprém, Vár utca 9.
Telefon:
Öffnungszeiten: jeden Tag von 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise 2014
Erwachsene: 400 Ft
Ermäßigt: 300 Ft
Familie: 800 Ft
Gruppe: 300/200 Ft